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Zwischen den Systemen: ein Artbook über Mensch, Raum und digitale Gegenwart

88 Seiten, sieben Kapitel und 45 Bildarbeiten: Wie das Haas-Arts-Artbook Illustration, Marken, digitale Räume und freie Kunst miteinander verbindet.

Titelseite des Artbooks Zwischen den Systemen: violette organische Strukturen treffen auf kantige Architektur
Haas Arts · digitale, KI-gestützt entwickelte Konzeptedition 2026 · PDF-Titelseite

Ein Mensch sitzt vor einem weit verzweigten System. Ein Weg führt durch eine Landschaft. Zwei Flächen lassen zwischen sich einen schmalen Raum frei. Auf den ersten Blick gehören diese Motive in unterschiedliche Schubladen: Illustration, Landschaftsbild, räumliche Studie. Im Artbook „Zwischen den Systemen – Bilder über Mensch, Raum und digitale Gegenwart“ kommen sie zusammen. Nicht, weil sie dasselbe zeigen, sondern weil sie verwandte Fragen stellen: Wie entsteht Orientierung? Wo wird eine Entscheidung sichtbar? Und was passiert an den Stellen, die offen bleiben?

Die digitale Konzeptedition umfasst 88 Seiten einschließlich Umschlagseiten. Sie verbindet 30 Bildmotive und Konzeptansichten aus den vier Haas-Arts-Portfolios mit 15 neu erzeugten Motiven. Daraus entstehen 45 unterschiedliche Bildarbeiten und Konzeptansichten – nicht 88 eigenständige Werke. Wiederholungen, Gegenüberstellungen und ausdrücklich gekennzeichnete Ausschnitte sind Teil der Buchgestaltung.

Das vollständige Artbook als PDF ansehen – 88 Seiten, etwa 27,7 MB.

Warum aus vier Portfolios ein eigenes Buch wird#

Ein Portfolio beantwortet meist eine praktische Frage: Welche Art von Gestaltung ist hier zu sehen? Dafür ist die Trennung nach Illustration, Markenentwicklung, Webdesign und Kunst sinnvoll. Ein Artbook kann einen anderen Zusammenhang aufmachen. Es darf eine Website neben eine räumliche Illustration stellen und eine Liniengrafik auf eine Collage antworten lassen.

„Zwischen den Systemen“ ist deshalb keine unveränderte Aneinanderreihung der vier Mappen. Die Arbeiten werden neu geordnet. Sieben Kapitel führen von der Beziehung zwischen Mensch und Technik über Landschaft und Stadt bis zu Fläche, Körper, Licht und Rhythmus. Die neue Reihenfolge verschiebt die Aufmerksamkeit: weg von der einzelnen Dienstleistung, hin zu wiederkehrenden gestalterischen Entscheidungen.

Eine Verzweigung kann nach Datenstruktur aussehen und zugleich an einen Fluss erinnern. Eine Öffnung kann in einer Skulpturenstudie Spannung erzeugen und in einer Website zum nächsten Schritt führen. Das Buch erklärt diese Dinge nicht für identisch. Es nutzt ihre Nähe, um genauer hinzusehen.

Sieben Kapitel, unterschiedliche Lesegeschwindigkeiten#

„Mensch & Maschine“ beginnt auf Seite 9 mit Aufmerksamkeit, Entscheidung und Verantwortung. Die gleichnamige Editorial-Illustration trifft auf neue Arbeiten wie „Die geführte Linie“. Eine Hand, die ein Band führt, setzt einen menschlichen Maßstab für die großen Strukturen um sie herum. Die Frage ist nicht, wie eindrucksvoll ein System wirkt, sondern wer darin Richtung geben kann.

„Land & Wandel“ ab Seite 19 weitet diesen Blick. „Am Fluss entlang“, „Rheintakt“, „Energie im Alltag“ und „Blattwerk“ verbinden Bewegung, gewachsene Räume und technische Infrastruktur. Der Wechsel vom weiten Landschaftsbild zur botanischen Nähe macht ähnliche Ordnungen in verschiedenen Maßstäben sichtbar. Das ist eine bildnerische Beobachtung, kein naturwissenschaftliches Modell.

„Stadt & Begegnung“ ab Seite 29 führt zum gemeinsamen Alltag. „Gemeinsamer Tisch“ und „Abendkreuzung“ stehen neben freien Markenbildwelten wie Nebenan, Takt und Werktag. Stadt wird dabei weniger als Ansammlung von Fassaden behandelt als über die Möglichkeit, anzukommen, sich zu bewegen und einen Ort mit anderen zu teilen.

Digitale Räume sind gestaltete Wege#

Das vierte Kapitel beginnt auf Seite 39. Hier treffen die freien Website-Entwürfe aus dem Digitalportfolio auf räumliche Illustrationen. „Begehbare Ordnung“ übersetzt eine abstrakte Struktur in Durchgänge, Flächen und unterschiedliche Ebenen. Daneben zeigen Raumform und Kante zwei sehr verschiedene digitale Aufgaben: Projekte verstehen und Objekte entdecken.

Artbook-Seite 40: Begehbare Ordnung mit gestaffelten architektonischen Öffnungen und einer kleinen menschlichen Figur

„Begehbare Ordnung“, Seite 40. Die Abbildung zeigt die vollständige Buchseite, keinen programmierten Raum.

Eine Website verteilt Aufmerksamkeit. Überschriften, Bilder und Handlungsangebote bestimmen mit, was zuerst auffällt und wie ein weiterer Schritt möglich wird. Im Buch lässt sich diese Überlegung ohne Bildschirmbedienung betrachten: als räumliche Beziehung zwischen einem Einstieg, einem Übergang und einem Ziel.

Die Grenze ist wichtig: Alle gezeigten Website-Ansichten sind statische Designstudien. Animationen, Daten und Interaktionen sind Vorschläge für eine mögliche Umsetzung. Das Artbook dokumentiert keine fertigen Anwendungen und keine nachgewiesenen Nutzungsergebnisse.

Von der benutzbaren Ordnung zum offenen Ausdruck#

Mit „Innere Topografien“ ab Seite 49 tritt der praktische Gebrauch zurück. „Sediment“, „Gegenströmung“ und „Heller Grund“ untersuchen, wie dunkle Massen und helle Flächen ein Bild tragen. Die neuen Studien „Falte“ und „Offene Schicht“ führen diese Frage in einer engeren violetten Farbwelt weiter. Was vorher als Weg lesbar war, wird hier zur Grenze zwischen Farbräumen.

„Nähe & Widerstand“ ab Seite 59 verschiebt den Schwerpunkt erneut. Rücken, Hände, Profile und sichtbare Bildbrüche erzählen von Gewicht und Abstand. „Last“ und „Halt“ begegnen „Ruhende Hände“ und „Überlagerung“. Eine Geste muss nicht vollständig erklärt werden, um eine Beziehung erkennen zu lassen.

„Form, Licht & Rhythmus“ ab Seite 69 führt schließlich zu Öffnungen, leeren Räumen und Linienfeldern. Ein schmaler Abstand kann mehr Spannung erzeugen als eine geschlossene Masse. Eine Unterbrechung verändert, wie das Auge eine ganze Folge liest. Das letzte Kapitel endet deshalb nicht mit einer endgültigen Auflösung, sondern mit dem Gedanken: „Ordnung bleibt offen.“

Gesamtansicht und Detail leisten nicht dasselbe#

Eine wichtige Entscheidung der Edition ist die klare Unterscheidung zwischen Werk und Ausschnitt. „Mensch & Maschine“ erscheint beispielsweise als Gesamtansicht und später in einer Nahsicht. In der Übersicht bleibt die Figur der Ruhepunkt. Im Detail werden die Verzweigungen zu einem eigenen Rhythmus.

Artbook-Seite 10 mit der Illustration Mensch und Maschine: eine Person am Tisch unter einer weit verzweigten violetten Struktur

Seite 10: „Mensch & Maschine“ in der Gesamtansicht. Weitere Ansichten im Buch verändern den Leseabstand, nicht die Zahl der Werke.

Der Werkatlas auf den Seiten 83 und 84 hilft, die Motive wiederzufinden. Das Werkverzeichnis auf den Seiten 85 und 86 benennt zusätzlich Herkunft und Ansatz. Dadurch bleibt nachvollziehbar, welche Bilder neu für diese Ausgabe entstanden sind und welche aus einer der vier Portfoliomappen stammen.

Digitale Materialwirkung transparent benennen#

Alle Bildwelten sind digital und KI-gestützt entwickelt. Begriffe wie Malerei, Kohle, Papier oder Keramik beschreiben die angestrebte Bildwirkung, nicht die physische Herstellung eines Originals. Auch die Fotostudien sind konstruierte digitale Szenen. Diese Einordnung gehört zum Inhalt des Buches und nicht ins Kleingedruckte eines nachträglichen Vorbehalts.

Die Ausgabe ist eine Bildschirmedition. Für eine Druckproduktion müssten Format, Beschnitt, Farbprofil und Bildauflösung mit einer Druckerei abgestimmt werden. Aus dem PDF allein folgt weder eine bestimmte Druckqualität noch ein angebotenes physisches Buch.

Ein möglicher Weg durch die Edition#

Wer das Artbook zum ersten Mal öffnet, kann den sieben Kapiteln folgen. Beim zweiten Durchgang lohnt sich eine andere Route: alle Verzweigungen suchen, alle leeren Räume vergleichen oder nur den Umgang mit Licht betrachten. Gerade die Gegenüberstellungen zeigen, wie eine gestalterische Frage mehrere Disziplinen durchquert.

Die vier Ausgangsmappen vertiefen jeweils einen Bereich: visuelle Arbeiten und Editorial Design, Werbung und Marken, Webdesign und digitale Oberflächen sowie „Spur & Gegenwart“ mit freien Kunststudien. Das Artbook hält diese Bereiche nicht auseinander. Es macht sichtbar, wo sie miteinander ins Gespräch kommen.

Originalausgabe