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Spur & Gegenwart: dreizehn digitale Kunststudien über Nähe, Gewicht und offene Räume
Sechs Werkserien auf 24 Seiten: Ein genauer Blick auf Malereiwirkung, Zeichnung, Collage, Raum, Licht und Rhythmus im Haas-Arts-Kunstportfolio.

Eine helle Fläche kann ebenso viel Gewicht haben wie eine dunkle. Ein gerissener Streifen kann zwei Gesichter voneinander trennen und sie zugleich in eine Beziehung setzen. Ein leerer Raum kann Anwesenheit tragen, obwohl keine Person darin zu sehen ist. „Spur & Gegenwart“, das Kunst- und Expressionsportfolio von Haas Arts, geht solchen Beobachtungen nach. Die Mappe versammelt dreizehn Bildwerke in sechs Werkserien auf 24 Seiten.
Im Mittelpunkt stehen nicht möglichst viele unterschiedliche Stile, sondern konkrete Entscheidungen: Wie viel Kontur hält eine Figur? Wann wird eine Lücke selbst zur Form? Was verändert ein einzelner roter Strich in einem Feld schwarzer Linien? Die Edition zeigt die Arbeiten deshalb nicht nur einzeln, sondern auch in Gegenüberstellungen und gekennzeichneten Details.
Zur Einordnung: Alle Werke sind digitale, KI-gestützt entwickelte Kunststudien. Malerei, Kohle, Collage, Keramik oder Stahl bezeichnen hier Materialwirkungen und künstlerische Ansätze. Die Mappe behauptet keine entsprechend ausgeführten physischen Originale und keine dokumentierte Ausstellung.
„Spur & Gegenwart“ vollständig als PDF ansehen – 24 Seiten, etwa 12,1 MB.
Innere Topografien: Die Fläche trägt eine Spannung#
Die erste Serie umfasst „Sediment“, „Gegenströmung“ und „Heller Grund“. Gemeinsam ist ihnen eine mineralische Farbigkeit mit dunklen, erdigen Bereichen und hellen Öffnungen. Interessant wird die Reihe dort, wo diese verwandten Mittel zu unterschiedlichen Bildordnungen führen.
In „Sediment“ steigt die dunkle Masse aus dem unteren Rand auf. Eine ockerfarbene Naht hält sie gegen den hellen Grund. „Gegenströmung“ führt den Blick entlang einer Diagonale. Bei „Heller Grund“ drücken die Randzonen gegen einen lichten Zwischenraum. Die helle Fläche ist also nicht einfach Hintergrund; sie wirkt selbst als Gegenkraft.

Seite 6: Drei Gesamtansichten zeigen unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage nach Druck, Richtung und Öffnung.
Die materialähnlichen Spuren geben dem Auge etwas, woran es hängen bleiben kann. Aus der Entfernung tritt zunächst die Komposition hervor. In der Nähe zerfällt diese Ordnung in Ränder, Übergänge und einzelne Strukturen. Das PDF nutzt beide Leseabstände, ohne aus einem Detail ein zusätzliches Werk zu machen.
Körper & Widerstand: Gewicht ohne große Geste#
Mit „Last“ und „Halt“ wird das Thema körperlich. Ein gesenkter Kopf, ein gekrümmter Rücken oder der Druck einer Berührung können eine Haltung vermitteln, ohne eine ganze Geschichte festzuschreiben. Die Figur in „Last“ nimmt vergleichsweise wenig Raum ein. Gerade das Verhältnis von Körper und Umgebung verstärkt ihre Gegenwart.
Die Zeichenwirkung entsteht im Wechsel von Dichte und Auflösung. Dunkle Bereiche bündeln Gewicht; helle Spuren halten den Rand offen. In „Halt“ wird Unterstützung durch überlagerte Konturen und Druck im Stoff sichtbar. Diese Beschreibung bleibt bei den formalen Mitteln. Sie legt den dargestellten Personen keine Diagnose, Biografie oder eindeutig beweisbare Gefühlslage bei.
Für das Lesen der Serie ist deshalb eine einfache Frage hilfreich: Was trägt den Ausdruck tatsächlich? Ist es das Gesicht, die Linie des Rückens oder die Stelle, an der eine Kontur in den Grund zurücktritt? So wird die Betrachtung genauer, ohne jede Offenheit aufzulösen.
Fragmente der Nähe: Die Lücke bleibt sichtbar#
Die Collagestudien „Zwischen uns“ und „Was fehlt“ arbeiten mit anderen Mitteln, aber verwandten Spannungen. Zwei Profile wenden sich einander zu, während ein gerissener Streifen zwischen ihnen bestehen bleibt. Nähe ist hier nicht die vollständige Aufhebung von Abstand. Sie entsteht gerade aus dem Verhältnis der getrennten Teile.
Bei „Was fehlt“ ist ein Gesicht nur zum Teil sichtbar. Eine helle Fläche besetzt den fehlenden Bereich. Dadurch wird das Weggelassene zum aktiven Bestandteil der Komposition. Die Bildgrenze erklärt nicht alles, sondern macht eine offene Stelle erkennbar.
Die Serie unterscheidet damit zwei Arten von Abstand: eine Grenze zwischen Menschen und eine Grenze innerhalb eines Bildes. Der Vergleich verhindert, dass Collage nur als abwechslungsreiche Oberflächentechnik erscheint. Ihre Brüche tragen den Gedanken der Arbeit.
Gegenform: Auch der Zwischenraum gehört zum Werk#
„Offener Körper“ und „Zwischenraum“ verlagern die Untersuchung in räumliche Studien. Die erste Form dreht sich um eine schmale Öffnung. Ein stabiler Fuß und die Verjüngung nach oben geben ihrer Silhouette Halt. In der zweiten Arbeit stehen Flächen so gegeneinander, dass der Abstand dazwischen zum eigentlichen Spannungsfeld wird.

Seite 15: Licht und Abstand gehören zur Form. Die gezeigten Objekte sind digitale Raumstudien.
Die äußere Kontur reicht hier nicht aus, um die Arbeit zu beschreiben. Licht lenkt den Blick nach innen, zeigt eine Drehung oder betont die Enge eines Spalts. Die Leere ist nicht das, was nach der Form übrig bleibt. Sie wird von Anfang an mitgestaltet.
Wichtig ist erneut die Unterscheidung zwischen Bild und Objekt. Eine keramisch oder metallisch wirkende Oberfläche im PDF ist keine Materialprobe. Herstellung, Statik, Maßstab und reale Lichtwirkung wären eigenständige Aufgaben einer möglichen späteren Umsetzung.
Lichtgedächtnis: Anwesenheit ohne Figur#
„Nachmittagsrest“ und „Nachtspur“ sind konstruierte digitale Fotostudien. In der einen hält sich ein Lichtfeld an einer Wand. In der anderen zerlegen Reflexionen den Boden in kurze Bewegungen. Die Räume zeigen keine ausgeführte Handlung und tragen dennoch eine zeitliche Spannung.
Der Titel „Lichtgedächtnis“ lässt sich dabei als Einladung lesen, auf Spuren eines Moments zu achten. Ein Raum muss nicht mit Gegenständen und Personen gefüllt werden, um eine bestimmte Gegenwart entstehen zu lassen. Wenige Unterschiede in Helligkeit, Richtung und Abstand können dafür ausreichen.
Die Bilder sind keine fotografischen Dokumente eines besuchten Ortes. Ihre Stärke liegt in der Konstruktion einer Szene und in der Frage, welche Mittel diese Szene plausibel und offen zugleich machen.
Rhythmus & Störung: Eine Abweichung verändert das Ganze#
Den Abschluss der sechs Serien bilden „Taktbruch I“ und „Taktbruch II“. Schwarze Linien geben dem Auge eine Richtung vor. Ein kurzer roter Eingriff oder ein freier Korridor unterbricht diese Erwartung. Plötzlich wird nicht nur die Abweichung sichtbar, sondern auch die Ordnung, von der sie abweicht.
Wiederholung ist dabei nicht gleichförmig. Unregelmäßige Ränder lassen einzelne Linien als eigene Spuren erscheinen. Der rote Akzent bleibt klein, verändert aber das Verhältnis des gesamten Feldes. Die Arbeit zeigt, wie wenig ein Bild manchmal braucht, um seine Richtung zu wechseln.
Vom Einzelwerk zur möglichen Hängung#
Auf Seite 22 führt eine virtuelle, nicht maßstäbliche Hängung Malerei-, Zeichen- und Grafikstudien zusammen. Eine gemeinsame Mittelachse und unterschiedliche Abstände verbinden die Formate, ohne sie gleichzumachen. Die Darstellung ist eine Präsentationsskizze, kein Nachweis einer realen Ausstellung. Maßstab, Material und Raum müssten dafür gesondert entwickelt werden.
Das Werkverzeichnis auf Seite 23 macht die dreizehn Arbeiten mit Titel, Serie, Ansatz und Ausgangsformat nachvollziehbar. Wer genauer vergleichen möchte, kann von dort gezielt zu den Gesamtansichten zurückgehen. Die Mappe belohnt gerade diesen zweiten Blick: nicht mehr Bilder konsumieren, sondern die Unterschiede zwischen verwandten Entscheidungen entdecken.
Im Artbook „Zwischen den Systemen“ begegnen einige dieser Arbeiten anschließend Illustrationen, Marken und digitalen Räumen. „Spur & Gegenwart“ bleibt die konzentriertere Ansicht: ein Blick darauf, wie Fläche, Geste, Leere und Unterbrechung Ausdruck tragen können.