Projects Projekt
Werbung & Marken: sieben freie Studien über urbane Alltagskultur
Von Nebenan bis Kreislauf: Wie sieben freie Markenstudien Botschaft, Bildwelt und Anwendung zu einem wiedererkennbaren Auftritt verbinden.

„Gut, dass du da bist.“ Der Satz verspricht weder den größten Nutzen noch die schnellste Veränderung. Er lädt ein. Genau darin liegt der Ausgangspunkt des Werbe- und Markenportfolios von Haas Arts: Marken nicht nur als Zeichen zu betrachten, sondern als gestaltete Beziehungen zum Alltag. Zu einem Viertel, einem Weg durch die Stadt, einem Arbeitsort oder einem Gegenstand, der weiter genutzt werden kann.
Die 24-seitige Edition versammelt sieben freie Studien: Nebenan, Takt, Zest, Nachtwerk, Werktag, Stadtgespräch und Kreislauf. Jede Reihe verbindet eine Idee mit einer Bildwelt und konkreten Anwendungen. Das können Plakate, Verpackungen, Geschäftsausstattung, digitale Motive oder ein redaktionelles Medium sein.
Alle Projekte sind freie Konzeptarbeiten. Die Bildmotive entstanden mit KI-Unterstützung. Die Mappe dokumentiert keine Kundenaufträge, real ausgespielten Kampagnen oder gemessenen Werbeerfolge. Ihre Markenbezeichnungen dienen der Konzeptdarstellung; sie sind kein Nachweis verfügbarer Produkte oder Dienstleistungen.
Das Werbe- und Markenportfolio vollständig ansehen – PDF, 24 Seiten, etwa 4,6 MB.
Nebenan: Eine Quartiersmarke beginnt bei den Menschen#
Nebenan ist eine freie Standortkampagne für ein lebendiges Viertel. Der gemeinsame Alltag wird zum Motiv: Menschen, lokale Geschäfte, Wege und Begegnungen. „Dein Viertel. Deine Leute.“ benennt den Zusammenhang, während „Gut, dass du da bist.“ eine persönliche Ansprache eröffnet.
Die Gestaltung arbeitet mit kräftigen Kontrasten. Dunkles Petrol, Blau und Gelbgrün halten die Motive zusammen; die urbane Bildwelt kann mit einer rein typografischen Einladung wechseln. So entsteht nicht einfach eine Reihe ähnlicher Plakate, sondern ein System mit unterschiedlichen Lautstärken.

Seite 6: Gleichbleibender Absender, wechselnde Bildanteile und direkte Ansprache. Alle Anwendungen sind Konzeptentwürfe.
Entscheidend ist die Wiedererkennung über verschiedene Berührungspunkte. Das lange Plakat und das quadratische Motiv haben andere Bedingungen. Trotzdem sollen Wortmarke, Kontrast und Tonfall erkennen lassen, dass sie zusammengehören. Ein bestehendes Layout nur passend zuzuschneiden wäre dafür zu wenig.
Takt: Mobilität als Teil eines normalen Tages#
Takt ist eine freie Mobilitätsmarke. Die Kommunikation beginnt nicht bei einem technischen Verkehrsmittel, sondern bei dem Weg, den ein Mensch heute vor sich hat. „Dein Weg. Dein Tag.“ und „Gut durch die Stadt.“ halten die Sprache kurz und alltagsnah.
Die Mappe zeigt mehrere Plakatvarianten und eine statische Landingpage. Ein starkes Bild und ein knapper Satz tragen die Außenwerbung. Auf der digitalen Fläche bekommt die Botschaft mehr Raum, bleibt aber im gleichen Markenauftritt.
Damit untersucht die Studie einen wichtigen Übergang: Ein Motiv im Straßenraum muss schnell erfassbar sein. Eine Landingpage kann erklären und zu einer nächsten Handlung führen. Die Identität sollte bei diesem Wechsel nicht verschwinden. Eine tatsächliche Mobilitätsleistung oder funktionierende Buchung wird durch die Studie nicht angeboten.
Zest: Eine kleine Pause braucht eine klare Form#
Mit Zest richtet sich der Blick auf eine fiktive Getränkemarke. Eine kurze Wortmarke, zwei starke Farben und ein Zitrusmotiv geben dem Entwurf seinen Charakter. „Mehr Zitrus. Mehr Moment.“ verbindet Produktassoziation und Situation, ohne einen langen Erklärungstext zu verlangen.
Die Anwendungen reichen von Dosenentwürfen über einen Sleeve und ein Tray bis zu einem Motiv für den Handel. Auf jeder Fläche stellt sich die Gewichtung neu: Wie groß kann die Wortmarke sein? Wo bleibt die Sorte lesbar? Wann genügt das Bild, und wann muss die Typografie führen?
Die gezeigte Inszenierung ist keine Produktfotografie einer verfügbaren Marke. Verpackungsflächen, Handelssituation und Bildwelt sind Entwürfe. Für ein reales Produkt wären unter anderem verbindliche Inhalte, Material, Produktion und rechtliche Kennzeichnungen gesondert zu klären. Das Portfolio untersucht zunächst die gestalterische Richtung.
Nachtwerk: Ein System darf seinen Rhythmus wechseln#
Nachtwerk ist als Kulturidentität für die Zeit nach Feierabend gedacht. Geometrische Bänder, grafische Schallkreise und ein konstantes Wortbild verbinden die unterschiedlichen Motive. „Raum für Klang“, „Form trifft Frequenz“ und „Kultur nach Feierabend“ variieren die Ansprache innerhalb eines erkennbaren Rahmens.
Das Plakatsystem zeigt, wie Wiederholung und Abweichung zusammenarbeiten. Nicht jedes Motiv muss denselben Bildaufbau haben. Wiederkehrende Schrift und Formensprache können genug Halt geben, damit Farben und Gewichtungen wechseln dürfen.
Für eine mögliche digitale Fortsetzung enthält die Mappe drei statische Schlüsselframes: Impuls, Absender und Einladung. Das ist eine Bewegungsbeschreibung, keine ausgeführte Animation. Der Unterschied ist wichtig, weil die zeitliche Wirkung erst in einer tatsächlichen Umsetzung geprüft werden könnte.
Werktag: Identität im Gebrauch#
Werktag untersucht eine Marke für gemeinschaftliche Arbeitsräume. Ein offenes Zeichen und eine reduzierte Wortmarke verbinden Konzentration mit Zugänglichkeit. Der Satz „Raum für gute Arbeit“ ist dabei sowohl eine inhaltliche Richtung als auch eine gestalterische Aufgabe: Wie viel Raum lässt der Auftritt seinen Inhalten?
Die Studie zeigt Briefbogen, Orientierung im Raum und digitale Kommunikation. Gerade diese sachlicheren Anwendungen sind aufschlussreich. Ein Markensystem muss nicht nur auf einem großen Titelbild bestehen. Es sollte auch eine Raumnummer, einen kurzen Brief oder eine zurückhaltende Information tragen können.
Die digitalen Motive wechseln zwischen Haltung, Atmosphäre und Absender. So lassen sich unterschiedliche Einstiege in dieselbe Marke zeigen, ohne auf jeder Fläche dieselbe Botschaft zu wiederholen. Ein realer Coworking-Ort oder dessen Ausstattung wird damit nicht dokumentiert.
Stadtgespräch: Eine Marke kann auch länger erzählen#
Stadtgespräch ist ein freies Magazinkonzept. Es greift Menschen, Orte und Arbeitsräume auf und macht daraus ein redaktionelles Markenmedium. Titelvarianten, Inhaltsauftakt und Artikelseite zeigen, wie die Bildwelt über eine kurze Kampagnenzeile hinauswachsen kann.

Seite 21: „Raum für einen guten Tag“ als freie redaktionelle Geschichte, nicht als veröffentlichter Magazinbeitrag.
Die Beispielgeschichte zu Werktag verbindet Fotowirkung, Text und Zitat. Der Absender tritt nicht auf jeder Zeile in den Vordergrund; die Geschichte soll einen Alltag erfahrbar machen. Darin unterscheidet sich ein Markenmedium von einer Sammlung großer Anzeigen. Es braucht Leseführung und einen nachvollziehbaren Inhalt, nicht nur wiederkehrende Farben.
Kreislauf: Servicekommunikation gibt Orientierung#
Kreislauf entwickelt eine freie Servicemarke rund um Reparatur und Wiederverwendung. „Dinge bleiben länger.“ verschiebt den Fokus auf das Potenzial vorhandener Gegenstände. Die Kommunikation gliedert einen möglichen Einstieg in Hinsehen, Klären und Weiterdenken.
Diese Reihenfolge ist gestalterisch relevant. Sie kann die Schwelle zu einem Gespräch senken, weil nicht sofort eine große Entscheidung verlangt wird. Zuerst wird betrachtet, was noch da ist; anschließend werden Möglichkeiten geklärt. Die Broschürenstudie ist aber ausdrücklich keine Reparaturanleitung und belegt keinen ökologischen Effekt einer realen Kampagne.
Was die sieben Studien zusammenhält#
Die Edition zeigt Markenentwicklung als Zusammenhang von Sprache, Bild und Anwendung. Ein Zeichen allein erklärt noch nicht, wie ein Auftritt im Alltag spricht. Erst im Wechsel zwischen Plakat, Verpackung, Orientierung und redaktioneller Seite wird erkennbar, ob die Idee trägt.
Wer stärker auf Illustration und Layout schauen möchte, findet im visuellen Portfolio die verwandte Frage nach Bildsystemen. Das Artbook „Zwischen den Systemen“ setzt einzelne Markenbildwelten anschließend in einen noch weiteren Zusammenhang. Hier bleibt die Perspektive konkreter: Wie wird aus einer gestalterischen Idee eine wiedererkennbare Einladung an Menschen?