Development Case Study
Solar Management Hub: Wenn aus PV-Daten ein digitales Produkt wird
Große Bestände von Photovoltaik-Betreibern und -Anlagen sollen nicht nur irgendwo in Tabellen liegen, sondern sinnvoll nutzbar werden.
Solar Management Hub: Wenn aus PV-Daten ein digitales Produkt wird#
Wie ich eine Plattform für große Photovoltaik-Bestände, Betreiber, Anlagen und Vertriebsprozesse entwickelt habe.
Es gibt Projekte, bei denen man eine Website baut.
Und dann gibt es Projekte, bei denen man irgendwann merkt: Eigentlich baut man gerade ein komplettes digitales Produkt.
Der Solar Management Hub gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Die Idee dahinter ist relativ einfach zu erklären: Große Bestände von Photovoltaik-Betreibern und -Anlagen sollen nicht nur irgendwo in Tabellen liegen, sondern sinnvoll nutzbar werden.
Wer betreibt welche Anlage?
Wo befindet sie sich?
Welche Unternehmen gehören zusammen?
Welche Dienstleister sind in einer Region aktiv?
Welche Kontakte sind relevant?
Wo entstehen Vertriebschancen?
Aus diesen Fragen ist eine Plattform entstanden, die Daten, Karten, Suche, Unternehmensinformationen, CRM und Vertriebsfunktionen miteinander verbindet.
Und genau das war für mich der interessante Teil des Projekts.
Von Daten zu einem Werkzeug#
Bei großen Datenbeständen ist das eigentliche Problem selten, dass es zu wenig Informationen gibt.
Das Problem ist meistens das Gegenteil.
Es gibt zu viele Informationen.
Eine Liste mit Betreibern ist noch kein gutes Produkt. Eine Datenbank mit Anlagen ist noch keine Marktübersicht. Und ein CRM hilft wenig, wenn die zugrunde liegenden Informationen nicht sauber miteinander verbunden sind.
Deshalb habe ich den Solar Management Hub nicht als klassische Tabelle gedacht.
Die zentrale Idee ist eine Art Arbeitsoberfläche für den PV-Markt.
Auf der einen Seite stehen die Daten:
- Betreiber
- Unternehmen
- Anlagen
- Standorte
- Kontakte
- Dienstleister
- Regionen
- Unternehmensinformationen
Auf der anderen Seite stehen die Arbeitsprozesse:
- Suchen
- Filtern
- Prüfen
- Anreichern
- Kontakte verwalten
- Leads bearbeiten
- Aufgaben verfolgen
- Opportunities bewerten
Die Plattform bringt diese beiden Seiten zusammen.
Die Karte als Einstieg in die Daten#
Eine meiner Lieblingsfunktionen ist deshalb die Kartenansicht.
Bei geografischen Daten fühlt sich eine klassische Tabelle schnell falsch an. Wenn ich wissen möchte, wo sich Anlagen befinden oder wie sich bestimmte Betreiber regional verteilen, ist eine Karte wesentlich intuitiver.
Der Solar Management Hub kann Anlagen und Cluster geografisch darstellen und mit weiteren Informationen kombinieren.
Dafür werden unter anderem Postleitzahlen zur Georeferenzierung genutzt.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail.
In der Praxis bedeutet es aber, dass aus abstrakten Datensätzen plötzlich ein räumliches Bild des Marktes entsteht.
Und genau solche Übergänge finde ich bei Softwareentwicklung spannend:
Daten werden erst dann wirklich wertvoll, wenn man eine gute Art findet, sie zu verstehen.
Eine Suche für viele Datenwelten#
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Suche.
Statt für Betreiber, Anlagen, Unternehmen und CRM-Daten jeweils eigene Suchlogiken zu bauen, sollte sich die Plattform möglichst wie ein zusammenhängendes System anfühlen.
Deshalb gibt es eine Enterprise-Suche, die verschiedene Datenbereiche miteinander verbindet.
Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit.
Eine gute Suche muss auch mit großen Datenmengen umgehen können.
Im Projekt kommen deshalb unter anderem optimierte Abfragen, Indexierung, Pagination und voraggregierte Daten zum Einsatz.
Das ist einer dieser Bereiche, die man als Nutzer kaum wahrnimmt, die bei der Entwicklung aber sehr viel Arbeit verursachen.
Wenn eine Anwendung mit zehn Datensätzen funktioniert, bedeutet das noch lange nicht, dass sie mit zehntausenden oder größeren Beständen genauso gut funktioniert.
Datenqualität ist Teil des Produkts#
Besonders wichtig wurde für mich während der Entwicklung ein Thema, das bei vielen Softwareprojekten zu spät betrachtet wird:
Woher kommt eine Information eigentlich?
Wenn beispielsweise Unternehmensdaten automatisch oder manuell angereichert werden, reicht es nicht, einfach einen neuen Wert in die Datenbank zu schreiben.
Die Plattform berücksichtigt deshalb Quellenprovenienz und Review-Prozesse.
Unternehmensidentitäten können unter anderem über Domaininformationen, GLEIF, VIES, geografische Informationen, Claims und Registerinformationen geprüft werden.
Damit wird aus:
„Wir haben hier einen Firmennamen.“
etwas deutlich Wertvolleres:
„Wir wissen, woher diese Information kommt und können ihre Herkunft nachvollziehen.“
Für eine Plattform, die geschäftlich genutzt werden soll, ist das ein entscheidender Unterschied.
Verifizierung statt einfach nur „registriert“#
Ein ähnliches Prinzip habe ich bei den Dienstleistern verfolgt.
Die Plattform kann öffentliche Dienstleisterprofile darstellen und dabei unter anderem Leistungen, Einsatzgebiete, Qualifikationen, Verfügbarkeiten und Referenzen abbilden.
Organisationen können mehrere Benutzer haben, mit unterschiedlichen Rollen wie Inhaber, Administrator oder Mitarbeiter.
Dazu kommt ein Verifizierungsprozess.
Verifizierungsunterlagen können auf Integrität geprüft und optional einem Malware-Scan unterzogen werden. Auch Logos werden mit Integritätsinformationen gespeichert.
Das Ziel dahinter ist nicht, möglichst viele Funktionen einzubauen.
Das Ziel ist, Vertrauen in die Daten und die beteiligten Unternehmen technisch abzubilden.
Aus der Datenplattform wird ein Vertriebswerkzeug#
Irgendwann kommt bei solchen Projekten der Punkt, an dem man merkt:
Die Daten sind nicht das Ende.
Sie sind der Anfang.
Deshalb enthält der Solar Management Hub inzwischen auch CRM-Funktionen.
Kontakte, Leads, Aktivitäten, Aufgaben und Opportunities gehören genauso dazu wie Account Intelligence und Sales Assessment.
Damit kann aus einer Information über einen Betreiber ein konkreter Arbeitsprozess werden.
Zum Beispiel:
Betreiber gefunden → Unternehmen analysiert → Kontakt identifiziert → Lead angelegt → Aufgabe erstellt → Opportunity bewertet.
Genau diese Verbindung zwischen Daten und Handlung ist für mich einer der interessantesten Aspekte des Projekts.
Und dann kommt AI dazu#
Ein weiterer Baustein ist die Sales- und Account-Intelligence.
Hier geht es nicht darum, einfach irgendwo einen Chatbot einzubauen.
AI ist dann interessant, wenn sie innerhalb eines bestehenden Workflows einen konkreten Schritt erleichtert.
Im Solar Management Hub gibt es deshalb unter anderem einen Sales Copilot und AI-gestützte Bewertungsfunktionen.
Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, wie ich AI aktuell bei Softwareprojekten betrachte:
Nicht als Ersatz für das Produkt.
Sondern als zusätzliche Schicht innerhalb eines guten Produkts.
Wenn Daten, Prozesse und Benutzeroberfläche nicht funktionieren, macht ein LLM daraus noch keine gute Anwendung.
Technisch ist das Ganze bewusst klassisch aufgebaut#
Unter der Oberfläche läuft eine Architektur, die auf bewährten Technologien basiert:
Frontend
- React
- TypeScript
- Vite
- responsive Dashboard-Oberflächen
- Kartenvisualisierung
- Datenvisualisierung
Backend
- Node.js
- Express
- TypeScript
- Zod-basierte Validierung
Daten
- PostgreSQL
- Prisma
- umfangreiche relationale Datenmodelle
- Indizes und optimierte Abfragen
Infrastruktur
- Docker Compose
- Nginx
- Reverse Proxy
- Backup- und Restore-Skripte
Das Projekt ist damit kein kleiner Frontend-Prototyp.
Es gibt eine vollständige Trennung zwischen Frontend, API, Datenbank und Infrastruktur.
Genau das war für mich auch ein wichtiger Teil der Entwicklung: Nicht nur eine Oberfläche zu bauen, die gut aussieht, sondern ein System, das als echtes Produkt funktionieren kann.
Sicherheit gehört von Anfang an dazu#
Bei einer Plattform mit Benutzerkonten, Unternehmensdaten und geschäftlichen Informationen kann Sicherheit kein nachträglicher Aufkleber sein.
Deshalb gehören unter anderem dazu:
- geschützte Anmeldung
- HttpOnly-Cookies
- Rollen und Berechtigungen
- Audit-Logs
- E-Mail-Bestätigung
- explizite Account-Lebenszyklen
- Organisations- und Mandantentrennung
- sichere Dateiabläufe
- Integritätsprüfungen
- optionale Malware-Scans
- Backups und Restore-Prozesse
Ein großer Teil davon ist für einen späteren Benutzer unsichtbar.
Das ist auch völlig in Ordnung.
Gute Infrastruktur soll möglichst wenig Aufmerksamkeit benötigen.
Was ich an dem Projekt interessant finde#
Für mich ist der Solar Management Hub vor allem deshalb spannend, weil hier mehrere Bereiche zusammenkommen, die normalerweise gerne getrennt betrachtet werden:
Daten.
Design.
Softwareentwicklung.
Geografie.
CRM.
Automatisierung.
AI.
Sicherheit.
Infrastruktur.
Und genau solche Projekte machen mir als Entwickler besonders viel Spaß.
Denn die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, einzelne Technologien einzusetzen.
Die Herausforderung besteht darin, aus vielen technischen Einzelteilen ein System zu bauen, das für einen Menschen am Ende trotzdem einfach wirkt.
Vom Entwicklerproblem zum Produkt#
Wenn ich an dem Projekt arbeite, denke ich deshalb nicht nur in Komponenten, APIs und Datenbanktabellen.
Ich denke genauso in Fragen wie:
Was möchte der Benutzer eigentlich wissen?
Was soll er als Nächstes tun können?
Welche Information braucht er wirklich?
Was kann automatisiert werden?
Wo muss ein Mensch prüfen?
Wie bleibt die Anwendung auch bei großen Datenmengen verständlich?
Das ist für mich inzwischen ein wichtiger Teil moderner Webentwicklung.
Softwareentwicklung ist nicht nur die Umsetzung einer technischen Spezifikation.
Sie ist auch die Übersetzung komplexer Prozesse in verständliche digitale Werkzeuge.
Ein Projekt, das weiter wächst#
Der Solar Management Hub ist deshalb auch kein abgeschlossenes „Ich habe da mal ein Dashboard gebaut“-Projekt.
Die Architektur ist darauf ausgelegt, weitere Funktionen aufzunehmen.
Unter anderem existieren bereits Bereiche für Dienstleister, Ausschreibungen, Marketplace-Prozesse, Support, Feedback, Abonnements und weitere kommerzielle Funktionen.
Das Spannende daran ist weniger die Anzahl der Module.
Spannend ist, wie diese Module miteinander verbunden werden können, ohne dass aus der Anwendung ein unübersichtliches Sammelsurium wird.
Genau darin liegt für mich die eigentliche Arbeit eines Entwicklers:
Komplexität beherrschbar machen.
Mein Fazit#
Der Solar Management Hub ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie ich digitale Produkte entwickle.
Ich starte nicht bei der Frage:
„Welches Framework soll ich verwenden?“
Sondern bei:
„Welches Problem soll dieses System für einen Menschen lösen?“
Danach kommen Datenmodell, Architektur, Benutzeroberfläche, Sicherheit, Performance und Automatisierung.
Technologie ist dabei das Werkzeug.
Das Ergebnis sollte trotzdem nicht technisch wirken.
Es sollte einfach funktionieren.
Und genau das ist für mich gute Software:
Im Hintergrund komplex.
An der Oberfläche klar.
Technischer Überblick#
Frontend: React · TypeScript · Vite
Backend: Node.js · Express · TypeScript
Datenbank: PostgreSQL · Prisma
Infrastruktur: Docker · Nginx
Weitere Bereiche: Karten & Geodaten · CRM · Unternehmensverifizierung · Sales Intelligence · AI-Unterstützung · Rollen & Berechtigungen · Audit Logging
Weitere Projekte und Einblicke:
https://hs1.de/