Projects Case Study
Haas Tax: Steuern vorbereiten, Daten lokal behalten
Haas Tax verbindet Einkommensteuer, EÜR, Belege und Plausibilitätsprüfung in einer lokalen Anwendung. Ein Blick auf Gestaltung, Architektur und Grenzen.
Ordnung vor der eigentlichen Abgabe#
Eine Steuererklärung beginnt nicht beim Absenden. Zuerst müssen Einkünfte, Ausgaben und Belege zusammenfinden. Für nebenberuflich Selbstständige kommt die Einnahmenüberschussrechnung dazu. Die eigentliche Schwierigkeit ist oft, den Überblick zu behalten: Was wurde schon erfasst, was fehlt noch und welche Zahl stammt aus welchem Zusammenhang?
Haas Tax ist mein eigenes Projekt für diese Vorbereitungsphase. Die lokale Anwendung bündelt Steuerdaten, Belege, Berechnung und Prüfung in einer gemeinsamen Oberfläche. Sensible Informationen müssen dafür nicht in einem Cloud-Konto liegen.
Eine Oberfläche für zusammengehörige Aufgaben#
Die Anwendung umfasst Personen und Haushalt, Arbeitnehmer-Einkünfte, Abzüge und die Einnahmenüberschussrechnung. Belege können hochgeladen und im lokalen Bestand verwaltet werden. Berechnung und Steuerprüfung ergänzen die Eingabe um Vollständigkeits- und Plausibilitätshinweise.
Der gestalterische Schwerpunkt liegt auf einer verständlichen Struktur. Eingaben, Ergebnisse und Hinweise haben unterschiedliche Aufgaben und sollten auch so erscheinen. Eine berechnete Zahl ist keine amtliche Bestätigung; ein fehlender Beleg ist kein technischer Absturz.
Für den Abschluss der Vorbereitung stehen eine Steuerjahresübersicht als PDF und ein tabellarischer Export zur Verfügung. So bleiben die Informationen auch außerhalb der Anwendung nutzbar.
Fachlogik getrennt von der Weboberfläche#
React und TypeScript bilden das Frontend, FastAPI stellt die lokale API bereit. Die Daten werden in SQLite gespeichert. Das eigentliche Rechenwerk ist von Webframework und Datenbank getrennt. Dadurch können Steuerberechnungen unabhängig von der Oberfläche geprüft werden.
Geldbeträge werden im Backend mit Decimal verarbeitet. Steuerparameter liegen als versionierte YAML-Dateien je Steuerjahr vor. Ein Jahr ohne passende Regeldatei wird abgelehnt, statt unbemerkt mit den Werten eines anderen Jahres zu rechnen.
Diese Trennung ist auch eine Frage der Nachvollziehbarkeit: Jahresabhängige Regeln gehören nicht unsichtbar zwischen Oberflächenlogik und Datenbankzugriffe.
Datenschutz als konkrete Architekturentscheidung#
Der Server bindet ausschließlich an 127.0.0.1. Die Anwendung benötigt im Betrieb kein Cloud-Konto und lädt keine Drittanbieterressourcen nach. Belege und Daten bleiben lokal; zur Installation müssen die benötigten Pakete geladen werden.
Verschlüsselte Backups verwenden scrypt und AES-256-GCM. Protokolle maskieren sensible Kennungen wie Steuer-ID und IBAN. Uploads werden nach Typ, Format und Größe geprüft. Das sind konkrete Schutzmaßnahmen, aber keine Garantie gegen jedes Risiko: Auch der eigene Rechner und die Aufbewahrung der Sicherungen brauchen Schutz.
Was Haas Tax bewusst nicht verspricht#
Haas Tax ersetzt keine steuerliche Beratung. Die Anwendung dient der Vorbereitung und übermittelt keine echte Erklärung an ELSTER. Der vorhandene ELSTER-Adapter ist eine lokal gekennzeichnete Simulation, keine produktive Anbindung.
Nicht vollständig abgebildete Sachverhalte müssen gesondert geprüft werden. Ein Ergebnis aus dem Rechenwerk ist deshalb eine Arbeitsgrundlage, kein verbindlicher Steuerbescheid und kein Nachweis steuerlicher Vollständigkeit.
Fazit#
Haas Tax verbindet eine klare Bedienoberfläche mit einer bewusst lokalen technischen Basis. Die Referenz steht für ein Prinzip, das über Steuersoftware hinausgeht: Komplexe Daten lassen sich verständlich organisieren, ohne die Grenzen der Anwendung hinter großen Versprechen zu verstecken.
Dieses Projekt
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